Fertighaus vs. Massivhaus

(Jörg)

Kaum ein Thema wird unter Bauherren so emotional diskutiert wie dieses, und zugegebenermaßen ist es für mich als Fertighausbauherr natürlich auch nicht ganz einfach, hier neutral zu urteilen. Ich will dennoch versuchen, die jeweiligen Vor- und Nachteile sachlich darzustellen:

Wärmedämmung:
heutige Fertighäuser stehen in Sachen Wärmedämmung dem Massivhaus in nichts mehr nach, im Gegenteil: Um eine ähnlich gute Aussenwanddämmung zu erreichen, sind beim klassischen “Stein auf Stein”-Haus, i.d.R. größere Wandstärken als beim Fertighaus erforderlich (ca. 6-8cm mehr). Ob das ein Nachteil ist, mag jeder für sich entscheiden, bei einer Grundfläche von 10×10m verliert bzw. gewinnt man dadurch etwas mehr als 2qm nutzbare Fläche pro Etage.

Schalldämmung:
Sehr schwierig zu vergleichen, vermutlich hat der Wandaufbau des Massivhauses hier kleine Vorteile. Die größeren Auswirkungen ergeben sich bei der inneren Schalldämmung durch Auswahl des Fußbodenbelags und weniger durch die Bauweise. Bei der Schalldämmung nach (bzw. von) außen spielen die Fenster eine maßgebliche Rolle.

Haltbarkeit:
Auch sehr schwierig zu beurteilen, schließlich kan man ein Haus nicht eben mal in eine Klimakammer stellen, um die witterungsbedingten Einflüsse auf lange Zeiträume zu simulieren.  Dass die Holzbauweise nicht zwangsweise in einer kürzeren Haltbarkeit resultiert, kann man z.B. an über hundert Jahre alten Fachwerkhäusern gut erkennen. Andererseits hab’ auch noch keine mehrere tausend Jahre alten “Holzpyramiden” gesehen. Der maßgeblichen Faktoren dürften hier nicht die Bauweise, sondern zum einen die Pflege und zum anderen die Wirtschaftlichkeit (z.B. Energieverbrauch, Unterhaltskosten u.s.w.) eines Gebäudes sein.

finanzielle Risiken:
Haben mit der Bauweise auch reichlich wenig zu tun. Traditionsgemäß hat man es zwar beim Fertighausbau eher mit größeren Unternehmen zu tun, da hierfür ja auch relativ große Fertigungsanlagen erforderlich sind (die übrigens meist auch von den Bauinteressenten besichtigt werden dürfen – unbedingt machen, ist sehr interessant). Somit hat man in der Regel zumindest nicht das Risiko wie bei einem “Ein-Mann-Bauträger”, der alles über Subunternehmen abwickelt, und für jedes Projekt eine eigene GmbH gründet, die er im Zweifelsfall “den Bach runtergehen” lässt (ja, solche Firmen gibt’s leider immer noch, und leider ist es auch meist nicht ganz einfach, diese zu erkennen). Aber es gibt auch im Massivbau durchaus rennomierte Unternehmen, deren Größe und Substanz einer Fertighausfirma in nichts nachstehen. In Zeiten der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise ist natürlich niemand davor gefeit, dass augerechnet “seine” Hausbaufirma pleite geht. Hausbau birgt (auch aufgrund vieler anderer hier nicht erwähnter Punkte) ein nicht unerhebliches Risko und das wird wohl auch immer so bleiben.

Bauzeit:
Hier hat das Fertighaus eindeutig die Nase vorn, wobei die Bauzeit natürlich auch von einer Vielzahl anderer Faktoren abhängt, die mit der Bauweise oft gar nichts zu tun haben. Dennoch bestätigen unsere Beobachtungen im angrenzenden Neubaugebiet während der Bauphase die landläufige Meinung: Bei manchen Häusern war bereits der Rohbau fertig, als bei uns noch nicht mal der Keller stand und wir sind dennoch vorher eingezogen. Allerdings muß ich auch zugeben, dass wir mit unserer Rekordbauzeit von 125 Tagen (vom Aushubbeginn bis zum Einzug) auch das ein oder andere Fertighaus überholt haben.

Feuchtigkeit:
Nachdem es am ersten Hausaufbautag in Strömen geregnet hat, hatte ich allergrößte Bedenken, ob wir das Haus bis zum Einzug wirklich “trocken” bekommen würden. Aber hier wurden wir positiv überrascht, denn die beregneten Holzteile wurden nur oberflächlich nass und trockneten schnell ab. Außer in den ersten Tagen nach dem Estrich legen hatten wir auch nie diese typische kühl-feuchte Baustellenluft im Haus und somit auch nach dem Einzug auch kein Problem mit “trockenwohnen”.

Brandschutz:
Diese Runde geht eindeutig an das Massivhaus. Natürlich neigt auch ein Fertighaus nicht zur spontanen Selbstentzündung, wenn ein Haus mehr oder weniger ausbrennt, bleibt vom Massivhaus zumindest das Gemäuer übrig, beim Fertighaus vermutlich nur der Kamin (man mag darüber streiten, ob das jetzt wirklich ein Nachteil ist). Vor einiger Zeit hatte ich mal im Blog eines österreichischen Bauherren gelesen, dass ihn seine Erfahrungen als Feuerwehrmann davon abgehälten hätten, ein Fertighaus zu bauen (sorry, leider find’ ich den Link nicht mehr).

Wie man sieht, gibt es eine Vielzahl von Argmenten die für oder gegen die eine oder andere Bauweise sprechen. Ein echtes K.O.-Kriterium ist m.E. allerdings nicht dabei. Insofern bleibt dem angehenden Bauherren nichts anderes übrig, als die einzelnen Für und Wider für sich persönlich zu gewichten oder einfach eine Entscheidung “aus dem Bauch heraus” zu treffen, was übrigens auch nicht das schlechteste ist – schließlich soll man sich in seiner neuen Behausung ja auch wohlfühlen.

Was ich beim Fertighaus vor allem in den Monaten nach dem Einzug als sehr angenehm empfunden habe, ist die Tatsache, dass man (ausser im Keller) eigentlich keine Bohrmaschine, geschweige denn Dübel braucht. Das Aufhängen eines Regals oder großen Bildes ist mit einem Akkuschrauber in Minuten erledigt und zur Not geht’s auch mal ohne. Gedanklich muß man natürlich den obersten Zentimeter der Gipskartonplatte mit einrechnen (die hält wirklich gar nichts), aber die darunter liegende auf der Holzkonstruktion verschraubte Presspanplatte ist extrem belastbar – zumindest hängen unsere schwer beladenen Küchenschränke noch.

4 Antworten zu “Fertighaus vs. Massivhaus”

  1. poffi_1 sagt:

    Zum Brandschutz möchte ich wiedersprechen!
    In einem Fertighaus wird nie zuerst die Konstruktion brennen, sondern immer die Ausstattungsgegenstände im Raum (siehe World Fire Statistics der Geneva Association oder siehe vkf aus der Schweiz). Und gerade die Ausstattung erzeugt den tödlichen Qualm. So wird z.B. Euer brennendes Sofa locker ausreichen, Euer Haus mit tödlichem Rauchgas (Kohlenmonoxid) zu “befüllen”. 1kg Weichschaum erzeugt ca. 2000-2500m³ Rauch!
    Also Fertighausbesitzer, nicht kirre machen lassen, durch solche Aussagen, lieber einen Rauchmelder mehr installieren!

  2. Jörg sagt:

    Du hast schon recht, es gibt wohl nur sehr wenige Konstellationen, bei denen die bessere feuerhemmende Wirkung eine Gemäuers wirklich zum Tragen kommt, evtl. bei einem direkten Blitzeinschlag oder bei defekten Stromkabeln in der Wand. Wobei sich letzteres für angehende Bauherren inzwischen erledigt hat, m.W. ist seit 01.01.2009 ein Fehlerstromschutzschalter (FI) für alle Stromkreise vorgeschrieben.
    Ansonsten ist es wirklich so, dass im Haus befindliche Personen bereits einer Rauchvergiftung gestorben sein dürften, lange bevor die brennende Konstruktion eine Gefahr darstellt.
    Rauchmelder war übrigens ein gutes Stichwort, meine liegen noch im Keller…

    Gruß

    Jörg

  3. Maike sagt:

    Fertighäuser sind enorm kostengünstig, im Gegensatz zum normalen Häuserbau. Bei Fertighäuser überwiegen die Vorteile und sind dadurch sehr interessant, finde ich.

    Gruß
    Maike

  4. Jörg sagt:

    Hallo Maike,

    bin mir nicht sicher, ob das mit den Kosten heute noch so zutrifft. Ich fand’s schon sehr schwierig, die Preise der verschiedenen Fertighaushersteller zu vergleichen, das fängt schon bei der Definition “schlüsselfertig” an.
    Beim “normalen Häuserbau” bin ich zum Teil auf sehr günstige Häuser gestossen, allerdings hatte ich da oft auch das Gefühl, dass diese technologisch nicht immer so ganz auf dem aktuellen Stand sind. Die Fertighaushersteller scheinen da eher etwas innovationsfreudiger. Aber auch das kann man nicht verallgemeinern.

    Dennoch haben auch für uns die Vorteile des Fertighauses überwogen, sonst hätten wir keins gebaut.
    ;-)

    Gruß

    Jörg